Nach der Ritualkammer kehrte kurz Ruhe ein. Sehr kurz - gerade lang genug für einen Atemzug, bevor Icewind Dale sich wieder etwas Neues einfallen ließ.
Caer-Konig - Abschied und Ankunft
Eine Lawine ging über Caer-Konig nieder, kaum dass die Gruppe zurück war - als hätte der Berg beschlossen, sie erst richtig willkommen zu heißen. Gromsch packte tapfer mit an, schaufelte frei, räumte auf, und verabschiedete sich danach in aller Ruhe: Eine Söldnergruppe im Süden hatte es ihm angetan, und er zog los, sein Glück dort zu suchen. Flint verabschiedete sich ebenfalls - sein Lehrmeister Shen Lian wurde entführt, und er brach auf, um ihn zu retten. Zum Abschied drückte er Avelia noch 10 Gold in die Hand.
Borin, kaum wieder auf den Beinen, wurde von Haraldt vor lauter Freude so kräftig durchgeschüttelt, dass ihm dabei eine Münze aus dem Mund fiel. Kaum lag sie im Schnee, fror Borin auf der Stelle ein und ging zu Boden - niemand hatte das kommen sehen. Kaelen trug ihn geradewegs zum Gefrorenen Hecht und legte ihn vor den Kamin, wo Nolia seine Hand wieder auftaute - noch bevor sie sich der restlichen Gruppe überhaupt richtig vorgestellt hatte. Einen besseren ersten Eindruck hätte man sich kaum ausdenken können. Liora legte eines der Holzstücke, die die Gruppe gefunden hatte, in Borins linke Hand - ob es dort blieb oder irgendwann verschwand, ohne dass es jemand bemerkte, ist noch offen. Wieder bei Bewusstsein, winkte Borin bloß ab: nur ein „kleiner Fluch" von einem Eiselementar, den er schon selbst in den Griff bekommen werde. Mehr wollte er dazu nicht sagen. Valdris nutzte das allgemeine Chaos, um sich still aus dem Staub zu machen - nicht ohne vorher vielleicht noch schnell eines der Holz-Artefakte einzustecken - und verschwand ohne ein Wort in die Kälte.
Es gab neue Gesichter zu sortieren. Avelia stellte sich als „fast eine Schwester" von Nolia vor - die beiden waren das letzte Stück des Weges gemeinsam gelaufen und offenbar direkt zusammengewachsen. Rodrik übernahm die Vorstellung von Kaelen mit einer denkbar knappen Beschreibung:
„Er leckt an Dingen und ist schüchtern."
Kaelen widersprach erstmal nicht - war es doch etwas zu treffend, um es ernsthaft abzustreiten.
Ein paar Dinge kamen beim Reden zusammen: Avelia stammt aus Neverwinter. Haraldt erkannte den Namen „Mondhain" sofort als Synonym für Reichtum, noch bevor ihm jemand erklären konnte, warum das gerade wichtig sein könnte - ein gutes Gespür für Geld, offenbar. Eine kleine schwarze Schatulle machte die Runde, zuvor von Rodrik gefunden, Inhalt weiterhin ungeklärt, aber immerhin ordentlich verstaut.
Am nächsten Morgen verteilte Borin 15 Goldstücke an jeden - Rodrik gab seinen Anteil kommentarlos zurück, mit dem Hinweis, Borin wisse schon, wofür. Als es zwischen Nolia und Rodrik danach zum Gespräch kam, ging es überraschend schnell um seinen alten Kriegshammer: Das Ding ist genau so alt wie er selbst, fünfzig Jahre. Nolia war ehrlich und auffallend begeistert davon - auf eine Art, die Rodrik sichtlich nicht gewohnt war und auch nicht so recht wusste, wohin damit.
Borin ließ währenddessen durchblicken, dass „Herdis Winterfell" über all das informiert werden müsste und endlich Unterstützung schicken sollte. Noch eine offene Angelegenheit.
Bevor die Gruppe weiterzog, gab es noch zwei Dinge zu erledigen: Liora schrieb einen Brief an Old Bram und ihre Familie zuhause, den Elda Kaltstein mitnehmen sollte. Und Haraldt bat den scheidenden Flint, ein Auge darauf zu haben, ob im Spine of the World gerade irgendwo ein alter Außenposten wieder aufgebaut wird.
Nebenbei einigte sich der Tisch auf eine wichtige, folgenschwere Weltwahrheit: Alice im Wunderland existiert als Geschichte und Buch auch in dieser Welt. Offiziell kanonisch, per Gruppenbeschluss, ohne Widerspruch.
Avelia hat außerdem ein kleines Haustier dabei - eine verletzte Babyschlange namens Pistazie.
Der Oger am Ufer
Auf dem Weg fand die Gruppe eine Oger-Leiche, fein säuberlich ausgeblutet am Boden. Kräuterreste in der Nähe, ein Fetzen blauer Stoff, und Wunden, die eher nach Skalpell aussahen als nach Kampf - so ordentlich stirbt normalerweise kein Oger. Wer oder was das getan hat, blieb offen. War es Valdris? Er war schließlich gerade erst gegangen.
Mitten in dieser angespannten Situation tauchte Fiete auf - meisterhaft angeschlichen, plötzlich einfach direkt hinter dem toten Oger stehend, als hätte er das schon öfter gemacht. Ein zwei Meter großer, menschenähnlicher Hase, den die meisten der Gruppe da zum ersten Mal wirklich zu Gesicht bekamen, nachdem Luke bereits vorher trocken „Oh, ein Hase" hatte fallen lassen, als wäre das die normalste Beobachtung des Tages.
Der Kreis unter dem Oger
Aus Neugier berührten mehrere aus der Gruppe (alle außer Liora und Kaelen, die Abstand hielten) die Oger-Leiche und traten dabei unwissentlich in einen kreisförmigen Bereich ein, der sich erst zeigte, als sie schon mittendrin standen. Als die fünfte Person den Kreis betrat, wurden alle darin gefangenen Charaktere versetzt - in etwas, das aussah wie ein altes Gebäude aus Eis und Felsen. Ein altes Zwergenlabyrinth? Vielleicht. Aber irgendetwas daran stimmte nicht ganz - zu viele Sprachen an der Wand, zu wenig Erklärung dazu. Teleportation, offenbar.
Der Fremde mit dem Stab
Liora und Kaelen, die vom Kreis verschont geblieben waren, wurden kurz darauf von einer Gestalt angesprochen, die sie nie richtig zu Gesicht bekamen. Nur ein komplett schwarzer Gehstock mit eingelassenem rotem Rubin, deutlich sichtbar in einer Hand, die scheinbar aus dem Nichts kam. Der Stab wurde zwischen die beiden gestellt, fast wie eine Requisite bei einer sehr unangenehmen Zeremonie, und dann legte die Gestalt je eine Hand auf ihre Schultern. Beide tragen seither ein dunkles, handförmiges Mal an genau dieser Stelle - kalt anzufühlen, nicht schmerzhaft (meistens), und bisher nicht verschwunden.
„Dass ihr euch auch immer aufteilen müsst."
Die Stimme klang seltsam bekannt - leicht genervt, wie jemand, der zum wiederholten Mal dasselbe Kind aus demselben Gebüsch zieht. Dann waren auch Liora und Kaelen weg, in eine andere Kammer verschlagen als der Rest der Gruppe.
Räume, Türen, Teleportation, Primzahlen - und das ohne Kampf
Getrennt fand sich die Gruppe in den verstreuten Kammern des alten Zwergen-Außenpostens wieder, den der Gletscher vor Jahrhunderten geschluckt hat, und tastete sich durch mehrere Räume - ohne dass es auch nur ein einziges Mal zum Kampf kam.
In der Gefrorenen Galerie standen Tiere mitten in der Bewegung im Eis gefangen, Augen offen - ein Wolf, Hasen, ein Falke, und dazwischen Rüstungen, getragen von Wächtern mit leuchtenden Augen, ebenso reglos, ebenso perfekt konserviert. Auf der Bruchbrücke gähnte ein zwei Meter breiter Spalt in einer sonst intakten Eisbrücke - unangenehm vertraut nach jener anderen Nacht -, aber diesmal dank Haraldts magischem Seil ohne große Mühe überquert.
Wieder zusammen fand die Gruppe erst, als sie sich selbst einen Weg zwischen der Gefrorenen Galerie und der Bruchbrücke schuf, während Avelia eine wunderschöne Melodie summte, wo eigentlich keiner vorgesehen war: Rodrik schlug mit seinem Kriegshammer die ersten zwei Meter Eis kurzerhand weg, Nolia brannte den Rest gleich mit durch. Der Gletscher mahlt weiter - aber diesmal hatte die Gruppe kurz selbst mit an der Kurbel gedreht.
Und in der Zählkammer wartete eine Reihe von Eiszapfen in acht Nischen auf eine Lösung, die sich dann doch nicht ganz so mühelos ergab, wie man es von Luke erwartet hätte: Am Ende stand für ihn ein ordentlicher Schrecken - und für Kaelen ein spürbar leichterer Geldbeutel.
Der Raum, in dem sie sich jetzt wiederfanden, ist bis obenhin voll mit Mephiten und einem Eiselementar. Ein Kampf? Ein Rätsel? Wieder nur eine Illusion wie beim Oger, die sich für echt genug hält, um wehzutun? Die Gruppe wird es vermutlich auf die harte Tour herausfinden.
❄ Fortsetzung folgt 🔥